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Unter den Piraten gibt es auch die Meinung, dass Strukturen an sich böse seien und beim Aufbau der Piratenpartei vermieden werden müssen. Wir sollen auf Vorstände und Verbände auf verschiedenen Ebenen möglichst weitgehend verzichten. Das könnte dann so aussehen, dass es einen Bundesvorstand gibt, der die grundlegenden Verwaltungsaufgaben übernimmt und vielleicht gibt es noch Landesverbände, weil der Bundesvorstand mit 12000 Piraten alleine überfordert wäre und das Parteiengesetz diese vorschreibt. Alles andere wären dann entweder Crews, Stammtische oder Arbeitsgruppen oder wie auch immer genannte Zusammenschlüsse von Piraten.

Könnte das funktionieren? Die Piratenpartei würde nicht davon untergehen, dass es keine Bezirks- und Kreisverbände mehr gäbe. Es würden weiter Piraten Wahlkampf organisieren, Spenden auftreiben, Plakate entwerfen und drucken lassen. Sie würden Infostände organisieren und auf Stammtischen Inhalte und Konzepte diskutieren. Es könnte also funktionieren. Aber wozu das Experiment? Was wäre damit gewonnen? Nur damit man mal etwas anders gemacht hat?

Was, wenn Strukturen nun nicht böse sind sondern ein gutes Mittel darstellen, Aktionen zu organisieren und Aufgaben zu verteilen, Verantwortungen zuzuweisen und Kompetenzen zu klären? Dann hat man aus Angst vor dem vermeintlich Bösen auf wertvolle Werkzeuge verzichtet aber nichts wirklich gewonnen.

Viele von uns haben eine immense Menge Zeit, Geld und Energie in das Projekt Piratenpartei investiert und wollen daher keine Experimente. Wir wollen verhindern, dass wir in einem Überwachungsstaat mit vollständiger Überwachung landen, wir wollen Informationen für alle verfügbar halten und wir wollen unser Grundgesetz und damit die Grundlage unseres Staates schützen. Dafür sind wir angetreten und darum kämpfen wir. Lasst uns sicherstellen, dass nicht ein paar Experimente all unsere Ziele in Gefahr bringen.

Suchen wir uns lieber zuverlässige und verantwortungsvolle Führungskräfte, die sich auch trauen, Segel zu setzen und Kurs zu halten! Sorgen wir für funktionierende Strukturen und führen das Projekt Piratenpartei Deutschland zum Erfolg!

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6 Antworten zu “Partei ohne Struktur?”
  1. WolfgangP sagt:

    Ich stimme dir voll zu. Einen Vorstandsposten zu übernehmen, und sei es im Ortsverband, bedeutet Verantwortung zu übernehmen und zu ihr zu stehen, Ansprechpartner für Interessierte und Mitglieder zu sein. Eine Organisation ohne Struktur ist letztendlich ein Sauhaufen. Ohne Strukturen geht es nicht

  2. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wolfgang Preiss und Stefan Körner, Paul der Laute erwähnt. Paul der Laute sagte: RT @sekor: Partei ohne Struktur – kein Weg zum Erfolg: http://bit.ly/6257YT [...]

  3. Stefan du sprichst mir aus der Seele, und mal ehrlich wer will schon das der Bundesvorstand 12.000 Piraten verwaltet, wo soll den sowas Enden?
    Der BV kommt doch nichteinmal mit sich selbst klar, könnte man nach der letzten Zeit den Eindruck haben.

  4. l33torizor sagt:

    “Keine Experimente”… Gab’s das nicht schon mal?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Keine_Experimente

    Scherz beiseite, natürlich braucht man Strukturen um eine Partei erfolgreich zu machen. Aber wer sagt denn bitte, dass diese Strukturen die gleichen sein müssen, die bei den anderen Parteien vohanden sind?
    Ich denke, gerade durch dieses anfängliche Chaos, das in dieser Partei am Anfang geherrscht hat, haben sich die meisten Piraten das Ganze überhaupt erst richtig zu Herzen genommen.
    Liquid Democracy ist ein schöner Ansatz, um Struktur in diese Partei zu bringen, ohne dem alten Beispiel der etablierten zu folgen. Zwar ist das auch nur ein Experiment. Aber eines, das auf jeden Fall durchgeführt werden sollte. Ansonsten bringt uns all der Erfolg nichts, weil wir am Ende auch kein Stück anders sind.

  5. Stefan A sagt:

    Ein interessantes Thema was du ansprichst, ich denke wir werden uns noch öfters damit beschäftigen. Strukturen sind das was eine Partei ausmachen und deswegen sind solche Debatte sehr wichtig.

    Ich vermute, der Anlass für dein Blogpost war die KV-Gründung in Nürnberg ohne Satzung. Das ist imo wirklich ein Experiment, was man sein lassen sollte.

    Aber das heißt nicht, dass wir nichts wagen sollten und einfach die Strukturen der anderen Parteien kopieren. Denn die anderen Parteien haben es eben nicht geschafft, dass wachsende Thema Netzpolitik richtig aufzugreifen und zu vertreten. Dies liegt nicht an den Leuten, die in den Parteien sind, da gibt es in allen Parteien kompetente Leute. Aber auf diese wird nicht gehört! Stattdessen wird von oben eine Parteilinie festgelegt, und alle anderen Stimmen werden niedergebügelt, zumindest wenn Wahlkampf ist. Ohne Wahlkampf kommt so manche Partei ja schnell wieder zur Erkenntnis, siehe die SPD.

    In allen bisherigen Parteien funktioniert die Meinungsbildung top-down und nicht bottom-up. Das, finde ich, sollten wir angehen.

    Daher sollten wir es vermeiden, zu hierachische Strukturen festzusetzen. Wenn wir es schaffen, eine dynamische, mitgliederorientierte Organisation aufzubauen werden wir sogar einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber andern Parteien haben. IMO können dann andere Parteien gar nicht mehr anders als uns zu kopieren.

    Aber damit will ich natürlich nicht für Chaos plädieren. Eine Partei ohne Strukturen ist ein Sauhaufen, da hat Wolfgang recht. Aber ich halte es auch für falsch für “keine Experimente” zu plädieren. Dann werden wir nämlich genau wie die Parteien, die wir kritisieren; die Parteien, die vor der Wahl was anderes sagen als sie nach der Wahl tun.

    Ob “Liquid Democracy” eine Lösung darstellt… ich bin eher kritisch. Im Vortrag auf dem CCC haben sich die Macher von einem Hauptpunkt abgekehrt: Den Anspruch einen organisationsweiten Interssensausgleich herzustellen. Dann kann LD natürlich funktionieren, aber es kann dann eben nur noch eine Art Artikulation bieten und keine Abstimmung ersetzen. Ich denke Ben mit seiner Urabstimmung ist auf dem richtigen Weg.

    Zum Thema “Es ist unser Ziel den Überwachungsstaat zu verhindern darauf sollten wir uns konzentrieren”. Sicherlich. Aber das ist auch das erklärte Ziel der FDP, der Grünen, der Linken, vielleicht sogar der SPD… und die CDU weist das bestimmt auch von sich. In solche Aussagen habe ich (inzwischen) leider wenig Vertrauen.

    Ich denke nicht, dass das an den Menschen in den Parteien liegt, sondern an Zwängen oder Anreizen. Die pazifistischen Grünen haben in ihrer Regierungszeit zwei Kriege beschlossen. Eigentlich ein Verrat an ihren Idealen, aber die Führung (bzw Schröder bzw die USA) hat es durchgekriegt.

    Ich sehe die Piraten vorrangig als Partei, die Lösungen für die Informationsgesellschaft der Zukunft liefert. Nicht umsonst haben wir ja durchaus auch Standpunkte auf den Themengebieten Urheberrecht, Patente und Infrastrukturen, die nur wenig mit Überwachung zu tun haben. Deswegen sehe ich es auch als unsere Pflicht an, neue Beteiligungsmodelle zu entwickeln und zu testen. Und ich glaube, dass die erste Partei, die sich an die neue Umwelt der Informationsgesellschaft anpasst, einen enormen Vorteil hat.

    Und um abschließend noch was zu sagen: Ich denke wir genießen bereits Teile dieses Bonus. Man denke an die vielen kreativen Ideen aus der Basis während des Wahlkampfes. Die SPD würde vermutlich danach lechzen.

    Selbst wenn wir hierachiche Strukturen einführen, werden wir lange Zeit nicht so werden wie andere Parteien. Denn wir haben bereits eine eigene Kultur. Aber ich glaube dass die Piratenpartei, wenn sie wie die anderen Parteien wird und an die Regierung kommt entweder Yet another Party wird oder sirbt…

    Ich denke die Piratenpartei hat viel größere Chancen als “nur” eine (weitere) Bürgerrechtspartei darzustellen. Ich denke wir haben das Potential das gesamte Parteiensystem durchzuschütteln. Das sollten wir nicht leichtfertig aufgeben.

  6. Klaus-Peter D sagt:

    Eine wichtige Debatte. Strruktur ist notwendig, aber wieviel. Jede Ebene ist mit Informations- und Transparanzverlust verbunden. Das ist ja leider überall so, auch in der Wirtschaft. M.E. der einzige Weg: flache Struktur und einen zweiten Weg für die Informationen.
    Wie war das denn mit der Organisation der Aktionen in den nordafrikanischen Ländern?
    Gerade in den nächsten drei Jahren wird sich zeigen – müssen – ob die Pitraten wirklich eine Alternative im politischen Alltag sind.
    Noch eins am Rande: Würde die Widersprüche zwischen Zielen und eigener Satzung abbauen. Wie glaubwürdig ist eine Partei, die Transparenz fordert, aber in der Satzungen Ausnahmen zulässt.

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